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«Ich kann nicht einfach in die Hände klatschen»: Bremgartens Citymanager im Gespräch

Seit Februar 2022 hat Bremgarten einen Citymanager. Die Stelle wird in der Lokalpolitik und in der Bevölkerung bis heute diskutiert, und viele fragen sich, was Ralph Nikolaiski eigentlich den ganzen Tag macht. Alexander Spillmann hat ihn im Herbst 2024 für die Bremgarter Neujahrsblätter gefragt.

Bildnachweis: Archiv Ralph Nikolaiski

Herr Nikolaiski, beim Wort «Citymanager» denken viele an jemanden, der hinter einem edlen Schreibtisch sitzt und Weisungen erteilt. Stimmt das?

Weit gefehlt! Höchstens die Hälfte meiner Zeit verbringe ich an einem ganz gewöhnlichen Schreibtisch im Rathaus. Meistens bin ich im Städtchen unterwegs. Ich besuche Geschäftsinhaber in der Altstadt, treffe Hausbesitzer, Leute von den Fachgeschäften und vom Gewerbeverein, oder ich komme zufällig mit jemandem ins Gespräch. In einer kleinen Stadt wie Bremgarten läuft vieles nur über den direkten Kontakt. Dabei kommen auch Anliegen zur Sprache, die sonst nie jemand so deutlich formulieren würde.

Was heisst Stadtmarketing für Sie konkret?

Vor allem: die richtigen Leute zusammenbringen, zum Beispiel Hausbesitzer und Interessenten für ein Ladenlokal. Dafür muss ich beide Seiten gut kennen. Es bringt nichts, einem Eigentümer jemanden zu vermitteln, dessen Geschäft für ihn gar nicht in Frage kommt. Inzwischen habe ich mit einem grossen Teil der Hauseigentümer in der Altstadt gesprochen. Wenn sich zwei finden, steht ein Lokal weniger leer. So konnten wir 2023 auch kurzfristig den Pop-up-Store an der Marktgasse einrichten. Diese Arbeit geschieht im Hintergrund, man sieht sie weder in der Zeitung noch in der Öffentlichkeit. Das übersehen viele Kritiker.

Warum holen Sie keine grossen Ladenketten nach Bremgarten?

Die lachen mir ins Gesicht, wenn ich anfrage. Ketten brauchen viel mehr Laufkundschaft, grosse Flächen und eine einfache Anlieferung. Das kann die Altstadt nicht bieten. Und sie soll auch nicht denselben Einheitsbrei zeigen wie jede grössere Stadt. Bremgarten war schon immer eine Stadt des Kleingewerbes: Bäcker, Metzger, Schneider, Gitarrenbauer, Goldschmiedin, Velomechaniker, eine Gelateria mit eigener Produktion, sogar ein Trollhaus. Diesen Mix wollen wir erhalten und ausbauen.

Baustelle der Helukabel AG auf der Oberen Ebene. Bildnachweis: Archiv Alexander Spillmann

Gibt es schon Erfolge?

Ich denke ja. Die Gelateria, ein Nähatelier für Hochzeitskleider, die Boutique Doré, ein Spielwarengeschäft: Überall habe ich im Hintergrund geholfen, Gespräche begleitet oder Kontakte vermittelt. Mit der Inhaberin des Blumenladens an der Zugerstrasse hatte ich schon zwei Jahre vor ihrer Eröffnung Kontakt. Sie kam dann über ganz andere Wege nach Bremgarten. Aber manchmal sät man eben einen Samen, und erst später wächst etwas daraus.

Und die grossen Firmen? Viele erwarten, dass Sie neue Arbeitsplätze in die Stadt holen.

Ich kann nicht einfach in die Hände klatschen und ein paar Firmen mit 50 oder 100 Angestellten ansiedeln. Freie Industrieflächen gibt es kaum noch, und solche Prozesse dauern nach meiner Erfahrung drei bis sieben Jahre. Die Kabelfabrik, die jetzt auf der Oberen Ebene baut, war mit dem Eigentümer im Gespräch, bevor es meine Stelle überhaupt gab. Genauso wichtig ist, das bestehende Gewerbe zu halten. An der Palettenmesse mit dem Gewerbeverein haben sich im August 50 Betriebe aus der Region kennengelernt, vom Maler bis zur Kita.

Was braucht ein guter Citymanager für Bremgarten? Und würden Sie die Stelle noch einmal antreten?

Erfahrung mit Liegenschaften hilft, dazu ein Verständnis für lokale und wirtschaftliche Zusammenhänge. Man steht ständig in der Kritik, es braucht also eine dicke Haut. Idealerweise wohnt man hier und ist gut vernetzt, denn vieles läuft über persönliche Kontakte. Und es braucht Lebenserfahrung, um die vielen Meinungen unter einen Hut zu bringen. Ob ich es wieder machen würde? Ja, unbedingt. Die Aufgabe macht mir richtig Spass.

Originalbeitrag

 

Im vollständigen Gespräch erzählt Ralph Nikolaiski auch, wie es um Restaurants und Hotelzimmer in Bremgarten steht, warum die Gratisparkstunde im Obertorparkhaus abgeschafft wurde und was im «StandortKAFI» passiert. Sie finden es in den Bremgarter Neujahrsblättern 2025. Ausgabe bestellen oder abonnieren

 

Alexander Spillmann: «Meine Aufgabe ist es, Menschen aus verschiedenen Anspruchsgruppen zusammenzubringen.» Mit Bremgartens Citymanager Ralph Nikolaiski im Gespräch. In: Bremgarter Neujahrsblätter 2025, S. 105–114.

Der Originalbeitrag enthält weitere Details, Bilder und die Quellenangaben.